Achtsames Stricken

„Stricken ist das neue Yoga“ habe ich in einigen Blogs gelesen. „Stimmt!“, dachte ich, und vergaß dabei, dass ich eigentlich gar kein Yoga kann.

Dann habe ich mir das Buch von Kristin Joél und Ulla Rahn-Huber „Stricken – Einfach, achtsam, kreativ“ gekauft – und war leider etwas enttäuscht! Außer Gemeinplätzen über die Förderung seelischer Gesundheit durch Stricken und einiger – zugegeben ganz netter – Strickanleitungen, die typische Wohlfühlassessoires zum Thema haben – war hier über achtsames Stricken nichts zu finden. Ich hätte mir konkrete Strick-Achtsamkeitsübungen gewünscht oder wirkliche Fakten darüber, was hirnphysiologisch beim Stricken konkret in uns vorgeht. Und nicht nur den häufig zitierten Satz „… schließlich wird  das gleiche Hirnareal aktiviert wie beim Yoga oder Meditieren.“ (Sorry, ich bin halt doch ein Mann.)

Als AOK-Stressbewältigungscoach und begeisteter Stricker dachte ich mir dann: Das kannst Du dann selbst! Und hier sind meine Übungen:

Achtsamkeitsübungen zum Stricken

Überfliege zunächst die jeweilige Anleitung und suche Dir das Material zusammen. Lege es griffbereit vor dich hin. Lies dann jeweils einen Absatz nach dem anderen und führe ihn aus. Lass dir Zeit dabei. Genieße was du tust. Es ist Zeit nur für dich!

1. Das Knäuel

Material: Ein gekauftes Wollknäuel, von dem du die Banderole entfernst, oder einen handgroßen locker gewickelten Wollrest. Dicke Wolle ist besser als dünne. Handgesponnene Wolle ist besser als maschinengesponnenes Garn.
Die Übung:
Setze Dich aufrecht und bequem auf deinen Stuhl und kuschele dich an der Rücklehne. Setze beide Fußsohlen auf den Boden, um Kontakt zur Erde zu haben. Das Wollknäuel liegt auf deinem Schoß. Schließe die Augen. Lass deinen Atem frei weiterlaufen und verändere ihn nicht.

  • Höre ihm einige Atemzüge lang zu, wie er beim Ein- und Ausatmen an deinen Nasenflügeln vorbeistreicht. Atme sanft durch den Mund aus, als wenn du eine Kerzenflamme zum Flackern, aber nicht zum Verlöschen bringen möchtest.
  • Umfasse das Wollknäuel mit beiden Händen locker wie einen Ball. Spüre die Wärme und Weichheit des Knäuels.
  • Drücke es etwas zusammen und lass wieder locker. Spüre die Elastizität des Knäuels.
  • Drücke abermals und lass wieder locker. Spüre nun die Wollfäden auf deiner Haut. Wie fühlt es sich unterschiedlich an auf der Handfläche, am Daumenballen, an den Fingern und an den Fingerspitzen?
  • Fasse nun mit den Fingern einer Hand behutsam in das Knäuel. Wie tief kannst du vorstoßen? Wie groß ist der Druck, den du ausüben musst?
  • Fasse nun einen Faden mit Daumen, Zeigefinder und Mittelfinger beider Hände. Lockere ihn etwas aus dem Knäuel heraus, sodass eine gute Handbreit Platz zwischen beiden Händen ist. Ziehe den Faden auseinander. Wie dehnbar ist er? Zupfe an dem Faden mit einem Zeigefinger wie an einer Gitarrensaite.
  • Lass den Faden nun los. Nimm das Knäuel in eine Hand und halte es an Deine Backe. Spüre die Weichheit und Wärme. Streichle dich eitwas mit dem Knäuel und genieße es.
  • Lege das Knäuel wieder in deinen Schoß und lege die Hände darauf ab, sodass es nicht wegrollen kann. Konzentriere dich wieder auf deinen Atem, spüre ihn beim Einatmen, wie er durch deine Nase streicht, wie er deinen Bauch füllt und blase ihn durch den Mund wieder aus. Tue dies einige Atemzüge lang.
  • Atme nun tiefer ein und blase den Atem kräftiger wieder aus. Nun willst du die Kerze ausblasen!
    Öffne wieder die Augen und schau dich um. Lass die Schultern vorwärts und rückwärts kreisen. Lass das Wollknäuel auf deinem Schoß liegen und strecke die Arme aus. Forme mit deinen Händen einen  großen Kreis. – Ende der Übung.

2. Rechte und linke Maschen

Material: zwei Stricknadeln, am besten in Nadelstärke 6 oder dicker, und passende Wolle. Nimm vor Beginn der Übung ca. 20 Maschen auf und stricke raurechts 2 Reihen. Danach beginne die Übung. Sie eignet sich gut als Beginn einer Maschenprobe.

  • Führe nun die beiden ersten Anweisungen von Übung 1 durch. Öffne wieder die Augen.
  • Stricke nun langsam eine rechte Reihe und führe jede Bewegung bewusst und einzeln aus, als ob Du sie zum ersten Mal durchführst. Denke die Bewegung vorweg und führe sie dann durch: Ergreife die Nadeln, führe die rechte Nadel in die erste Masche, hole den Faden, ziehe ihn durch und hebe die neue Masche auf die rechte Nadel usw. Stricke die Reihe so zu Ende, langsam und bewusst. Je langsamer, je besser. Versuche die Bewegungen gleichförmig zu gestalten, als wenn Du eine Strickmaschine in Superzeitlupe wärst.
  • Am Ende der Reihe schließe die Augen.
  • Spüre wieder auf Deinen Atem, wie in der ersten Übung.
  • Streiche nun sanft mit den Fingern einer Hand über die eben gestrickte Reihe. Freue Dich, dass diese Reihe gelungen ist. Erfühle, dass dies eine Reihe aus rechten Maschen ist.
  • Öffne die Augen, wende die Arbeit und schließe eine Reihe mit linken Maschen an. Führe wieder jede einzelne Bewegung langsam und bewusst aus, als ob Du sie zum ersten Mal machst. . Je langsamer, je besser. Versuche die Bewegungen gleichförmig zu gestalten, als wenn Du eine Strickmaschine in Superzeitlupe wärst.
  • Am Ende der Reihe schließe die Augen.
  • Spüre wieder auf Deinen Atem, wie in der ersten Übung.
  • Streiche nun sanft mit den Fingern einer Hand über die eben gestrickte Reihe. Freue Dich, dass diese Reihe gelungen ist. Erfühle, dass dies eine Reihe aus rechten Maschen ist.
  • Bedanke Dich in Gedanken bei dem Schaf, das Dir seine Wolle gegeben hat, bei dem Schäfer, der das Schaf aufgezogen hat, bei dem Schafscherer, dem Wollhändler und allen anderen, die dazu beigetragen haben, dass du nun diesen Faden unter Deinen Fingern spüren kannst. Erinnere Dich, woher du diesen Faden bekommen hast. Bedanke Dich in Gedanken auch bei diesem Menschen.
  • Achte auf Deinen Atem. spüre ihn beim Einatmen, wie er durch deine Nase streicht, wie er deinen Bauch füllt und blase ihn durch den Mund wieder aus. Tue dies einige Atemzüge lang.
  • Atme nun tiefer ein und blase den Atem kräftiger wieder aus, als wenn Du eine Kerze ausblasen willst.
  • Öffne wieder die Augen und schau dich um. Lass die Schultern vorwärts und rückwärts kreisen. Lass die Strickarbeit auf deinem Schoß liegen und strecke die Arme aus. Forme mit deinen Händen einen  großen Kreis. – Ende der Übung.

Wohlfühl-Stricksachen im Netz (eine unvollständige Auswahl):

Weitere Fundsachen im Netz (eine unvollständige Auswahl):

  • Zukunfts-Stricken Interessante Analogie, sich sein wiedergefundenes Leben als aufgeribbelten und neu gestrickten Pullover vorzustellen.

Mehr Achtsamkeitsübungen finden Sie hier (eine unvollständige Auswahl):

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